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Maria wird zur Königin des Himmels gekrönt, Jesus sagte vor seinem Leiden zu seinen Jüngern: „Euer Herz betrübe sich nicht! Ihr glaubt an Gott,…

Maria wird zur Königin des Himmels gekrönt
Jesus sagte vor seinem Leiden zu seinen Jüngern: „Euer Herz betrübe sich nicht! Ihr glaubt an Gott, glaubet auch an mich! In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen!“ (Joh 14,1). Damit wollte der Herr sie versichern, dass es im Himmel Platz und Belohnungen für alle gebe, wenn auch die Verdienste verschieden seien. Keiner solle traurig sein, wenn er sehe, dass andere mehr mit Gnaden bereichert und in der Tugend weiter vorangeschritten seien. Denn im Hause Gottes gebe es viele Grade und Stufen. Ein jeder sei mit der seinigen zufrieden. Keiner beneide den anderen. Gerade dieses sei eine der großen Glückseligkeiten im Himmel.
Ich habe gesagt, Maria sei an den „obersten Platz“, auf die „höchste Stufe“, nämlich auf den Thron der allerheiligsten Dreifaltigkeit (Offb. 1,4; 3,21) erhöht worden. Ich habe mich dieser Ausdrücke bedient, um so große Geheimnisse zu erklären. Die Heiligen und selbst die Heilige Schrift gebrauchen sie ja auch. Eine Rechtfertigung meiner Ausdrucksweise ist darum nicht nötig. Für weniger Unterrichtete füge ich hier eine Bemerkung bei: Gott ist ein reiner, körperloser Geist und zugleich unendlich, unermesslich und unbegreiflich. Darum bedarf er keines materiellen, körperlichen Thrones oder Sitzes. Er erfüllt alles und ist in allen Geschöpfen gegenwärtig. Keines kann ihn begreifen, umfassen oder einschliessen. Er hingegen begreift alle und schliesst sie in sich selbst ein. Die Heiligen sehen Gott nicht mit ihren leiblichen Augen, sondern mit den Augen des Geistes. Sofern sie ihn aber – um nach unserer irdischen, materiellen Vorstellungsweise zu sprechen – an einem bestimmten Orte sehen, sagen wir, Gott sei auf seinem Throne, wo die heiligste Dreifaltigkeit ihren Sitz habe, obwohl er seine Herrlichkeit in sich selbst hat und sie in sich selbst den Heiligen mitteilt. Damit sage ich aber nicht, dass die heiligste Menschheit Christi und seine heiligste Mutter im Himmel nicht einen vortrefflicheren Platz haben als die Heiligen, und dass es unter den Seligen, die dereinst mit Leib und Seele im Himmel sein werden, nicht eine Rangordnung der weiteren oder geringeren Entfernung von Jesus und Maria geben wird. Indes ist hier nicht der Ort, dies näher zu umschreiben.
„Thron Gottes“ nennen wir also den Ort, an dem sich Gott den Heiligen offenbart als die Ursache ihrer Glorie, als den ewigen, unendlichen Gott, der von niemand abhängt, von dem aber alle Geschöpfe abhängen; der sich offenbart als Herr, König, Richter und Eigentümer alles dessen, was existiert. Diese Würde kommt auch Jesus Christus zu, insofern er seiner Wesenheit nach Gott ist, insofern er aber Mensch ist, durch die hypostatische Vereinigung. Deshalb thront er auch seiner Menschheit nach im Himmel als höchster König, Herr und Richter. Die Heiligen aber, obwohl ihre Glorie und Würde alles menschliche Begreifen übersteigen, sind Diener und Untertanen seiner ewigen Majestät. Nach Christus hat auch Maria an dieser Auszeichnung Anteil, jedoch in einem geringeren Grade als ihr heiligster Sohn. Sie steht allezeit zur Rechten ihres Sohnes als Königin, Herrin und Gebieterin aller Geschöpfe. Ihre Herrschaft erstreckt sich so weit wie die ihres Sohnes, jedoch in anderer Weise.
Nachdem Maria auf diesem erhabenen Throne ihren Platz eingenommen hatte, erklärte der Herr den himmlischen Heerscharen die Vorzüge, deren sie sich erfreue. Der ewige Vater, als der Urgrund aller Dinge, sagte zu den Engeln und Heiligen: „Unsere Tochter Maria ist nach unserem ewigen Ratschlusse aus allen Geschöpfen auserwählt und von uns in Besitz genommen. Sie hat uns vor allen anderen das höchste Wohlgefallen bereitet. Nie hat sie sich der Würde einer Tochter unwürdig gezeigt. Sie hat ein Recht auf unser Reich. Darum soll sie als Herrin und einzige Königin anerkannt und gekrönt werden.“ Das menschgewordene Wort sprach: „Meiner wahren, leiblichen Mutter sind alle Geschöpfe zu eigen, die ich erschaffen und erlöst habe. Über alles, was ich als König besitze, soll auch sie die rechtmäßige und höchste Königin sein.“ Der Heilige Geist fügte hinzu: „Weil Maria meine auserwählte Braut ist, die sich in Treue bewährt hat, gebührt ihr die Krone einer Königin für alle Ewigkeit.“
Nach diesen Worten setzten die drei göttlichen Personen auf das Haupt der allerseligsten Jungfrau eine Krone von wunderbarem Glanze und von so unschätzbarem Werte, wie sie nie einem bloßen Geschöpfe geschenkt wurde. Zur gleichen Zeit ging vom Throne eine Stimme aus: „Frundin, Auserwählt vor allen Geschöpfen! Unser Reich gehört dir. Du bist Herrin, Gebieterin und Königin über die Seraphim, über alle unsere Diener, die Engel und über All der Schöpfung. Achte, befehle und herrsche glücklich über sie, denn nach unserem höchsteen Ratschluss geben wir dir Herrlichkeit, Majestät und Gewalt. Von deinem königlichen Throne aus sollst du herrschen bis zum Mittelpunkt der Erde. Durch die Macht, die wir dir verleihen, wirst du die Hölle und alle ihre Bewohner unterwerfen. Alle werden dich fürchten als die höchste Gebieterin und Herrscherin über jene Abgründe, in denen unsere Feinde hausen. Du sollst herrschen über die Erde und über alle Geschöpfe, die darauf leben. Deinen Händen und deinem Willen übergeben wir die Kräfte und Wirkungen aller Ding, auf dass du herrschest über die Einflüsse der Himmel, über den Regen und über dir Früchte der Erde und davon ausspendest nach deinem Wohlgefallen. Selbst unser Wille wird darauf achten, den deinigen zu erfüllen. Du sollst Königin und Herrin der streitenden Kirche, ihre Beschützerin, Fürsprecherin, Mutter und Lehrerin sein. Sei die besondere Schutzherrin der katholischen Reiche! Wenn diese, die Gläubigen und alle Kinder Adams dich von Herzen anrufen, dir dienen und deine Huld erwerben, wirst du ihnen in ihren Nöten helfen. Du wirst für unsere Frunde, die Gerechten, eine Freundin, Beschützerin und Führerin sein. Wir machen dich zur Hüterin unserer Reichtümer und zur Schatzmeisterin unserer Güter. In deine Hand legen wir unsere Gnadn und Gaben nieder, damit du sie austilst. Nichts wollen wir der Welt gewähren, es sei denn durch deine Hand, und nichts wollen wir den Menschen verweigern, was du ihnen gewährst. Die Gnade wird ausgegossen sein über deine Lippen (Ps 44,3) bei allen deinen Bitten und Anordnungen im Himmel und auf Erden. Die Engel und Menschen werden dir gehorchen. Alles, was unser ist, das ist auch dein, wie du allezeit unser Eigentum warst. Du wirst mit uns in Ewigkeit regieren.“
Damit dieser Ratschluss ausgeführt und die der Königin des Himmels verliehenen Vorrechte in Kraft träten, befahl der Allmächtige dem ganzen himmlischen Hofe, den Engeln und den Heiligen, der heiligsten Jungfrau Maria zu huldigen und sie als Königin anzuerkennen. In diesem Wunder lag noch ein besonderes Geheimnis verborgen. Es sollte nämlich die gebenedeite Mutter für jene Verehrung belohnt werden, die sie während ihres Lebens in ihrer tiefen Demut den Heiligen erwiesen hatte, wenn diese ihr erschienen. Die Engel und die Heiligen verehrten die Himmelskönigin auf ähnliche Weise, wie sie Christus huldigten. Jene Heiligen, die mit Leib und Seele im Himmel waren, warfen sich nieder und verehrten ihre Königin auch durch körperliche Andachtsbezeugungen. Die Krönung Mariae geschah in wunderbarer Herrlichkeit und brachte neue, akzidentelle Freude für den ganzen Himmel. Besonders tief erlebten dies der heilige Joseph, der heilige Joachim, die heilige Anna und alle übrigen Verwandten der Himmelskönigin, vor allem aber ihre tausend Schutzengel.
Über dem Herzen des verklärten Leibes der Himmelskönigin sahen die Heilign eine glänzende Kristallscheibe von unaussprechlicher Schönheit. Sie weckte in ihnen eine außerordentliche Bewunderung und Freude. Dieser leuchtende Kristall ist wie eine Belohnung und ein Zugnis dafür, dass Maria in ihrem Herzen das im heiligsten Sakrament gegenwärtige fleischgewordene Wort getragen und es ohne jeden Makel mit größter Andacht, Liebe und Ehrfurcht empfangen hat. Von den übrigen Belohnungen und Kronen, die sie empfing, kann ich nicht gebührend reden. Ich verweise auf die beseligende Anschauung im Himmel, wo jeder sie gemäß seiner Verdienste erkennen wird.
Wir verlassen nun die Königin des Himmels zur Rechten ihres heiligsten Sohnes, wo sie herrschen wird in alle Ewigkeit und wenden uns wieder zu den Aposteln und Jüngern zurück, die noch am Grabe der heiligsten Jungfrau im Tale Josaphat verharrten. Petrus und Johannes bemerkten am dritten Tage, dass die himmlische Musik verstummt war. Vom Heiligen Geiste erleuchtet, schlossen sie, dass die reinste Mutter auferstanden und gleich ihrem heiligsten Sohne mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen sei. Petrus, als Oberhaupt der Kirche, versammelte alle Apostel, Jünger und andere Gläubige noch am gleichen Tage am Grabe. Dann hoben sie auf den Befehl Petri den Stein, womit das Grab verschlossen war, hinweg, fanden es aber leer, ohne den heiligen Leeichnam Mariens. Ihr Obergewand lag so da, als ob es ihren Leib noch bedeckte. Daraus schlossen sie, dass sie durch Kleid und Stein hindurchgegangen war, ohne diese aus ihrer Lage zu bringen. Petrus nahm das Oberkleid und das Grabtuch und bezeigte ihnen seine Verehrung. Dasselbe taten auch alle übrigen Anwesenden, die nun überzeugt waren, dass die heiligste Jungfrau Maria auferstanden und in den Himmel aufgenommen sei. In Freude und Schmerz priesen sie dieses Wunder und sangen Psalmen und Loblieder zur Verherrlichung des Herrn und seiner heiligsten Mutter.
Von Staunen und Liebe ergriffen, blickten alle in das Grab. Sie konnten sich nicht von ihm trennen, bis in Engel des Herrn sich ihnen sichtbar zeigte und sprach: „Ihr Männer von Galiläa, warum bleibt ihr in Verwunderung hier stehen? Eure und unsere Königin lebt mit Leib und Seele im Himmel, wo sie ewig mit Christus herrschen wird. Sie sendet mich, diese Wahrheit zu bestätigen und in ihrem Namen euch zu sagen, dass sie euch aufs neue die heilige Kirche, die Bekehrung der Seelen und die Ausbreitung des Evangeliums anempfiehlt. Auch wünscht sie, dass ihr alsbald euere Missionsarbeit wieder ausübt. Vom Himmel aus wird sie für euch Sorge tragen.“ Durch diese Botschaft wurden die Apostel ermutigt. Auf ihren Wanderschaften, ganz besonders aber in der Stunde ihres Martertodes, erfuhren sie die Hilfe der Gottesmutter, zumal sie jedem von ihnen in seiner letzten Stunde erschien und ihre Seelen Christus zuführte. Andere Begebenheiten vom Hinscheiden und der Auferstehung der allerseligsten Jungfrau sind mir nicht geoffenbart worden. In dieser ganzen Lebensbeschreibung sage ich nur das, was mir geoffenbart und zu schreiben befohlen wurde.
Lehre der Himmelskönigin
Mine Tochter, wenn mir irgend etwas den Genuss der höchsten Seligkeit vermindern oder mich etwas schmerzen könnte, dann wäre es der traurige Zustand, in dem die heilige Kirche sich gegenwärtig befindet. Die Menschen wissen, dass sie mich als ihre Mutter, Fürsprecherin und Beschützerin im Himmel haben, und dass es meine Aufgabe und mein Verlangen ist, ihnen zu helfen und sie zum ewigen Leben zu führen. Der Allerhöchste hat mir zahllose Vorrechte verliehen, dass ich diese als Mutter der Barmherzigkeit zugunsten der Menschen verwende. Doch sie hindern mich, ihnen Gutes zu tun. Viele gehen verloren, weil sie mich nicht von ganzem Herzen anrufen. Zwar kann ich Schmerzen nicht mehr empfinden. Doch muss ich klagen über die Menschen, dass sie sich selbst die ewige Pein zuziehen, mir aber die Ehre, ihnen zu helfen, verweigern.
Die Kirche wußte von jeher, was mein Fürbitte vermag und welche Macht ich im Himmel besitze, um allen zu helfen. Tausend und abertausend Wunder, Gebetserhörungen und Gnaden habe ich für meine Verehrer erwirkt. Zahlreich sind die Seelen, die ich gerrettet habe, und dennoch sind es nur wenige im Vergleich zu denen, die ich retten könnte und zu retten verlange. Welt und Zeit eilen dahin. Die Menschen aber sind zu träge, um Gott zu verehren. Die Kinder der Kirche verwickeln sich in die Schlingen des Teufels. Die Sünder nehmen an Zahl zu, und ihre Schuld mehrt sich, weil die Liebe erkaltet. Dies alles geschieht, obschon Gott Mensch geworden ist, die Welt durch sein Beispiel und seine Lehre unterrichtet, durch sein Leiden und Sterben erlöst und das heilbringende Evangelium gegeben hat. Er selbst verherrlichte die Kirche durch Wunder, Erleuchtungen und Gnaden und durch seine Heiligen. Außerdem teilt er in seiner Güte die Schätze seiner Barmherzigkeit durch meine Vermittlung reichlich aus. Doch alles ist ungenügend! Ist es darum noch zu verwundern, wenn die göttliche Gerechtigkeit erzürnt ist? Die Sünder verdienen die angedrohten Strafen und fühlen sie bereits; denn die Bosheit hat den höchstmöglichen Grad erreicht.
Meine Tochter, dies ist die volle Wahrheit. Aber meine Barmherzigkeit und Milde übertrifft alle Bosheit. Sie bewegt Gottes Güte und Erbarmen und hält seine Gerechtigkeit auf. Meine Fürsprache vor dem Throne Gottes ist der sichere Weg, den Zustand der Kirche zu verbessern, katholische Reiche zu retten, den Glauben zu verbreiten, den Familien und Regierungen Festigkeit zu verleihen und die Seelen in den Stand der Gnade und Freundschaft Gottes zurückzuführen. Dann sollst du, meine Tochter, mich unterstützen, soweit es dir mit der Gnade Gottes möglich ist. Du darfst dich nicht mit der bloßen Beschreibung meines Lebens begnügen. Du musst mich vielmehr durch Befolgung meiner Ratschläge und heilsamen Lehren nachahmen. Erwäge wohl, meine Tochter, wie streng du zum Gehorsam gegen mich deine inzige Mutter und deine rechtmäßige Lehrmeisterin und Oberin, verpflichtet bist. Ich habe dir außerordentliche Liebe erwiesen, und du hast deine Ordensgelübde oft erneuert und mir dabei ganz besonders Gehorsam gelobt. Erinnere dich an das, was du dem Herrn und seinen Engeln versprochen hast: Dass du schon im sterblichen Fleische lebest und handelst wie ein Engel und mit diesen rinen Geistern verkehrst. Sie werden dich über die Vollkommenheiten deines Geliebten erleuchten, damit du von Liebe zu dinem Meister und zum Nächsten entflammt werdest. Dann wird der Allerhöchste dich würdig finden, dass er an dir seinen heiligsten Willen erfülle und sich deiner ganz nach seinem Wohlgefallen bediene. Möge seine mächtige Hand dich auf ewig segnen, dir die Freude seines Angesichtes zeigen und den Frieden schenken. Du aber trachte, dass du ihn niemals verlierest!
(geoffenbart der ehrwürdigen Dienerin Gottes, Maria von Jesus zu Agreda) Von der Kirche Geprüft und Anerkannt !

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