Allgemein

Passierende Reflexion, Mein FB-Freund Ron Jeremias ärgert sich (mit Recht) über ein SPIEGEL-Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Elisabeth…

Passierende Reflexion
Mein FB-Freund Ron Jeremias ärgert sich (mit Recht) über ein SPIEGEL-Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling (geb. 1981). Gleich zu Beginn sagt sie etwa: „Man muss sich klarmachen, dass es sich nicht um einen ideologiefreien Begriff handelt [gemeint ist das Wort „Ankerzentrum“] — und dabei passiert zu wenig Reflexion. Wir gehen nicht sorgsam genug mit Sprache um, aber diese prägt unser politisches Handeln.“
Entweder „geht“ Elisabeth Wehling selbst „nicht sorgsam“ mit Sprache „um“ oder sie hält Reflexion tatsächlich für etwas, was „passiert“ (und nicht für einen aktiven Vorgang, den Hegel so schön als selbstbezügliche Negativität charakterisiert hat). Und worauf bezieht sie in ihrer Antwort das Adverb „dabei“? Auf „klarmachen“? Doch sollte sie es auf „klarmachen“ beziehen, „passierte“ beim „klarmachen“ „zu wenig Reflexion“, was eine sehr seltsame Weise wäre, sich etwas klarzumachen. Sollte sie das Adverb „dabei“ aber nicht auf „klarmachen“ beziehen (was grammatisch eigentlich nicht möglich ist), auf was bezieht sie es dann?
Anzeichen für Regungen selbstbezüglicher Negativität finden sich auch in den weiteren Antworten dieser Nachwuchslinguistin nicht, sonst müßte sie wenigstens den Gedanken fassen, artikulieren und diskutieren, daß auch ein Wort wie „Asylsuchender“ (das sie anstelle von „Asylbewerber“ zu verwenden vorschlägt) angesichts einer Bewilligungsquote in den Asylverfahren von rund 1 % keineswegs „ideologiefrei“ ist.
Das Interview wäre nicht der Rede wert, wäre es sprachlich und gedanklich nicht symptomatisch.

Your email address will not be published. Required fields are marked *